Der Dragon Gold Cup ist Mythos und pure Realität zugleich. Seit 1937 kämpfen Segler um die goldene Trophäe, die ihren Namen verdient: Open Entry für alle, keine Streichresultate, sechs lange Wettfahrten mit Kreuzen von 2,5 Seemeilen ohne Gnade. Jeder Lauf zählt, jede Platzierung bleibt. Wer hier gewinnt, reiht sich in eine Liste ein, die Olympiasieger und America’s-Cup-Größen umfasst.

In Douarnenez gelang jetzt Dirk Pramann dieser Coup. Der DDG-Kommodore steuerte mit Michael Koch als Taktiker und Kilian Weise im Vorschiff seine Ingrid durch eine bewegende Woche, die wettertechnisch von Hurrikan Erin geprägt war. Flaute, Böen bis 25 Knoten, hohe Atlantikdünung – das volle Programm vor der bretonischen Küste. Bereits am zweiten Tag wurden zwei Wettfahrten gesegelt – bei den typischen langen Gold Cup-Kursen, für die die Crews morgens um 8 Uhr aus dem Hafen mussten. Immer wieder war unklar, ob die Regatta tatsächlich bis zum Ende durchgesegelt werden könnte oder wegen zu starker Winde durch die Hurrikan-Ausläufer vorzeitig beendet werden müsste. Noch am Donnerstagabend wusste man nicht genau, ob am Freitag nochmals gesegelt würde. Dass dann zwei Rennen zustande kamen, war ein perfektes Finish und dem Team der Ingrid gelang es, diese zwei letzten Rennen noch einmal mit Topplatzierungen zu beenden.
Die Serie des deutschen Teams spricht für sich: 2, 4, 11, 2, 3, 4. Nur ein Ausrutscher, ansonsten konstant vorne. Am Ende stand ein Vorsprung von elf Punkten auf Peter Gilmour (JPN, Yred). Platz drei ging an Grant Gordon (GBR, Louise Racing).

„Was für eine Woche! Wenn du dir das Feld hier ansiehst und die Namen auf der Trophäe, ist es ziemlich unglaublich, unseren Namen auf diese Liste zu setzen. Wir sind konsequent geblieben, haben an Bord gut kommuniziert, wir hatten eine unglaubliche Geschwindigkeit und sehr gute Starts“, sagte Pramann nach dem letzten Rennen.

Doch damit nicht genug: Auch die Corinthian Trophy für die beste Amateurcrew ging nach Deutschland. Philip Dohse mit Nicola Dohse, Volker Kramer und Marc Hess setzten sich auf Puck durch. Damit gingen beide Haupttrophäen an Segler ausad dem DDG – ein starkes Signal für die deutschen Segler.

Die weiteren Preise wurden international vergeben: Schweden holte den Børge Børresen Memorial Cup für den Sieg im ersten Rennen (Jan Secher auf Misbehavior), die Niederlande den Silver Cup für das beste Team im Mittelfeld (Abram de Wilde auf Faline), Großbritannien den Nations Cup dank Louise RacingBluebottle und Fit Chick.

Insgesamt 18 deutsche Steuerleute waren am Start – 15 unter deutscher Flagge, dazu Hannes Holländer (NED, Flin), Dirk Orldenburg (CH) und Michael Zankel (POR, Easy). Jan Woortman segelte auf seiner Sapphire IV zu einem starken siebten Platz. Mit Magdalena Gründt (Lilibeth, Platz 34) und Christiane Bruhns (Liv, Platz 51) steuerten auch zwei Frauen ihre Teams erfolgreich durch die schwierigen Bedingungen. Selbstredend waren auch bekannte Namen wie Stephan Link (Desert Holly, Platz 46) und Thomas Müller (Sinewave, Platz 57) dabei, die die letzten Rennen gar nicht mehr mitgeseglt waren.

Mit seinem Sieg reiht sich Dirk Pramann nun in eine exklusive Tradition ein. Aus deutscher Sicht haben Herbert Döbler (1938), Theodor Thomsen (1953, 1955), und später Segler wie Achim Ulrich, Alo Schaefer, Klaus Oldendorff, Harm Müller-Spreer, Vincent Hoesch, Markus Wieser, Tommy Müller und Stephan Link den Gold Cup vor ihm gewonnen.

75 Boote aus 18 Nationen, eine Woche zwischen Sturmböen und Flauten, zwischen hart erkämpften Rennen und bretonischer Gastfreundschaft – der Gold Cup 2025 war eine Ausgabe, die in Erinnerung bleibt. Dass beide großen Trophäen nach Deutschland gehen, macht sie zu einem besonderen Kapitel in der Geschichte dieser legendären Regatta, die von der CYCA gestiftet und gemeinsam mit der International Dragon Association organisiert wird.

Mehr Infos: https://www.srdouarnenez.com/dragon-gold-cup-2025
Alle Ergebnisse: https://drive.google.com/drive/folders/1vZKtTwHdeI9I6eACR8h7_LHvndwUFwp7

Text: Sina Wolf