Dem Warten folgte Wind am zweiten Tag des Pfingstpreises im DTYC.©DTYC
Drei Tage, ein Lauf, viele Erkenntnisse – das war der Pfingstpreis 2025 auf dem Starnberger See, ausgerichtet vom Deutschen Touring Yacht-Club e.V. (DTYC). 25 Drachen waren gemeldet, doch Petrus hatte andere Pläne. Während am Samstag und Montag die Sonne schien, blieb der Wind auf Tauchstation. Nur am Pfingstsonntag ließ sich ein segelbares Zeitfenster öffnen – mit einem Schuss Adrenalin. Ein Bericht von Ina Ernicke:
Die Wetterkapriolen verlangten der Wettfahrtleitung einiges ab. Trotz vorausschauender Planung und zügiger Startversuche am Samstag konnte keine gültige Wettfahrt durchgezogen werden. Am Sonntag hingegen: Sturmwarnung voraus! Wind bis 25 Knoten, weiße Gischt auf dem See – und eine entschlossene Regattaleitung. Eine einzige, aber hochklassige Wettfahrt wurde durchgezogen. Und die hatte es in sich.
Denn nur zehn Drachen überstanden Start und Ziel. Ein Drittel der Flotte blieb gleich im Hafen, ein weiteres Drittel musste aufgeben. Die verbleibenden Boote lieferten sich ein intensives Rennen. Besonders dramatisch: Micki Liebl (MYC), der die erste Runde mit großem Vorsprung anführte, musste wegen eines gerissenen Backstags aufgeben. Die Bühne war frei für ein bayerisches Duell der Extraklasse: Das Team Brownie (GER 1161) mit Hannes Braun (MYC) an der Pinne, Katharina Ernicke (ASC) in der Mitte und Maximilian Braun (MYC) vorne holte sich hauchdünn den Sieg – knapp vor dem Ehrlicher-Familienteam (GER 77, BYC), das mit starker Physis und Teamgeist beeindruckte.
Christian Stoll (MYC) mit Crew sicherte sich Rang 3 – ebenfalls verdient. Bestes Team aus dem ausrichtenden Club war Dr. Helmut Schmidt mit Sohn Patrick und Stefan Hellriegel auf Platz 4 – ein starkes Zeichen für die DTYC-Flotte.
Auch wenn seglerisch nicht viel Wasser unterm Kiel war, an Land war umso mehr geboten: Stegbier am Samstag, reger Austausch auf der Clubwiese mit Seeblick, ein stilvolles Abendessen im Clubcasino. Am Sonntag dann Seemannsgarn beim Bier und gegenseitiges Bedauern kleinerer Starkwindblessuren. Der Montag krönte das Wochenende mit einer feierlichen Siegerehrung, bei der neben Silberpreisen und Wein auch besondere Sachpreise wie Schwimmwesten, Taschen und sogar ein Paar Ski (!) vergeben wurden – als Zeichen, dass auch Mittelfeldplätze zählen.
Ein Wermutstropfen bleibt: Obwohl die Veranstaltung einen hohen Ranglistenfaktor von 1,3 hatte, war kein auswärtiges Revier vertreten. Dabei wäre es das allemal wert, für ein solches Erlebnis das Boot aufzuladen und den Starnberger See zu besuchen.
Denn was bleibt, ist die Erkenntnis: Der Drachen, dieser „Bugatti of the Sea“, lebt nicht nur von Wind, sondern von Menschen, die das Segeln und die Gemeinschaft lieben. Die Crew von Brownie fährt sicher mit etwas Muskelkater, aber vor allem mit einem breiten Lächeln heim. Und der Rest? Der sollte 2026 auf keinen Fall fehlen.
