Michael Zankel wird Europameister
Michael Zankel gewinnt mit Diogo Pereira und João Matos Rosa die Dragon European Championship in Helsinki – die deutsche Flotte segelt eine starke Woche
Fotos: ©Tuomas Koljonen
Michael Zankel, Diogo Pereira und João Matos Rosa ersegeln sich den EM Titel im Drachen. Das Team gewinnt mit Easy (POR 90) vor Helsinki die Dragon European Championship 2026 – in einem Feld mit 62 Booten, sieben Wettfahrten und zahlreichen internationalen Top-Crews. Silber ging an Ivan Bradbury, Lars Hendriksen und George Leonchuk auf Blue Haze (GBR 375), Bronze an Martin Pålsson, Christian Videbaek und Viktor Langström auf Nono (SWE 416).
Mit Michael Zankel steht damit erstmals seit Markus Wieser nach insgesamt 14 Jahren wieder ein deutscher Steuermann ganz oben bei einer Drachen-Europameisterschaft.
Diese Europameisterschaft war aber nicht nur Zankels Woche. Sie war über weite Strecken eine unglaublich starke Vorstellung der deutschen Drachenflotte. Nach drei Wettfahrten, am Ende des zweiten Regattatages, führten Jan Woortman, Michael Koch und Marcel Vockel auf Sapphire (GER 1221) die Gesamtwertung an. Direkt dahinter lagen Zankel, Pereira und Matos Rosa. Auf Rang drei folgte Bo Johansen mit Deja Vu 2.0 (DEN 428). Nicola Friesen, Vadim Statsenko und Charles Nankin auf Khaleesi (GER 1207) standen zu diesem Zeitpunkt auf Platz fünf. Graham Bailey und sein Team auf Bluebottle (GBR 192), später einer der härtesten Gegner im Titelkampf, lagen nach drei Rennen auf Rang sechs.
Am dritten Regattatag übernahmen Zankel, Pereira und Matos Rosa die Gesamtführung – und gaben sie danach nicht mehr ab. In einem Feld dieser Qualität kein Leichtes. Drachen-Europameisterschaften gewinnt man selten mit einem einzigen großen Schlag. Dafür sind die Crews zu erfahren, die Rennen zu eng, die Fehler zu teuer. Das Team segelte die Serie, die in dieser Klasse zählt: ruhig, sauber, konstant stark.
Dass es trotzdem bis zum Schluss eng blieb, lag auch an der Breite der Spitze. Bailey gewann drei Wettfahrten und holte später die Classic-Wooden-Dragon-Wertung. Blue Haze blieb als Titelverteidiger in Schlagdistanz. Und auch Woortman, Koch und Vockel hielten sich weiter vorne. Vor der letzten Wettfahrt las sich die Gesamtwertung aus deutscher Sicht fast unwirklich: Zankel führte, Woortman lag auf Rang drei, Friesen auf Rang fünf. Mit Dirk Oldenburg, Dominik Zycki und Pedro de Andrade auf Free (SUI 313) sowie Christoph Toepfer, Markus Koy und Diego Negri auf Aurora (GER 11) standen zwei weitere Teams aus dem DDG in den Top 20.
Das „Finale“ vor Helsinki brachte noch einmal alles mit, was diese EM ausmachte: neue Windrichtung, neues Kursgebiet, 10 bis 20 Knoten Südost und vier Teams mit Titelchancen. Bailey ging als direkter Herausforderer in das letzte Rennen, verlor auf der ersten Kreuz jedoch entscheidende Plätze. Zankel, Pereira und Matos Rosa arbeiteten sich in die Top Ten zurück und brachten den Titel sicher ins Ziel. Nach sieben Wettfahrten standen 33 Punkte auf ihrem Konto – zehn weniger als bei Blue Haze auf Rang zwei.
„Amazing – absolutely amazing. I still can’t believe it“, schwärmte Zankel nach dem Sieg. Es ist sein erster großer internationaler Titel in der Klasse. Viele der Teams kennt er seit Jahren: „They’re like family to me.“ Auch Bailey gratulierte sportlich: „The right people won.“ Zankel und sein Team sind die ganze Woche stark gesegelt.
Hinter dem neuen Europameister blieb die deutsche Bilanz stark. Woortman, Koch und Vockel beendeten die EM auf Rang sechs. Friesen, Statsenko und Nankin segelten auf Rang acht. Damit standen neben dem Titel zwei weitere Teams aus der deutschen Flotte in den Top Ten.
Gastgeber der Europameisterschaft war der Nyländska Jaktklubben in Helsinki. Die Woche bot fast alles: Champagnerbedingungen zum Auftakt, taktische Dreher, leichte und instabile Winde am vorletzten Tag und ein forderndes Finale mit ordentlich Wind. Die Navigation in den finnischen Schären gab ihre eigene zusätzliche Würze.
Ende des Jahres trifft sich die Drachenklasse zur Weltmeisterschaft in Hongkong. Gut 100 Boote werden es wohl werden. Michael Zankel reist dann als Europameister an.