Deutsches Drachengeschwader e.V.

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08.07.2019

Grand-Prix Kühlungsborn - Goldolympioniken mischen bei den Drachen mit (Kopie 1)

Grand Prix Kühlungsborn Drachengeschwader

Deutsche Drachen segeln phänomenal gut im hochkarätig besetzten Feld des internationalen Drachenzirkus

Ostsee. Kühlungsborn. 3. bis. 6. Juli 2019. Die internationale Drachengemeinde macht im Rahmen der neu geschaffenen internationalen Europacup-Serie Station in Deutschland. Direkt vor der Küste Kühlungsborns kämpften extrem hochkarätig besetzte Crews mit Rang und Namen in vier Tagen um den Grand Prix und mit ihm um Punkte für den Einzug ins Finale der Europapokal-Serie. Dabei waren eine Ehrfurcht einflößende Anzahl an Gold- und Silberolympioniken, an Olympiateilnehmern, an Welt- und Europameistern und generellen Segelgrößen im Feld, wie es sonst kaum eine Klasse kennt.

Als Sieger fährt das russische Team von Dmitry Samokhin mit dem dreifachen Olympiasegler Andrey Kirilyuk und Aleksey Bushuev in der Vorschot nach 6 spannenden Rennen ganz knapp  vor dem  unter japanischer Flagge startenden australischen Segelaltmeister Peter Gilmour (America's Cup und World Match Racing Tour) nach Hause. Dritter wird der Niederländer Pieter Heerema mit Welt-und Europameister Lars Hendriksen und 49er Olympia-Silber Segler George Leonchuk an Bord.

Drei deutsche Teams schaffen es unter die ersten 10: Otto Pohlmann (BYC), der zum ersten Mal nach 39 Jahren wieder in Deutschland segelte, fährt auf Platz vier, Marcus Brennecke (BYC) auf Platz 6 und der amtierende deutsche Meister Stephan Link (BYC) auf Platz 7. Philipp Dohse vom NRV gewinnt mit Frau Nicola Dose, Volker Kramer und Christian Möller in der Crew als schnellstes Amateurboot auf dem sagenhaften 11. Platz die Corinthian-Wertung dieses internationalen Grand Prix in Deutschland.

Insgesamt 40 internationale Teams aus Europa und Japan – sonst für diese Serie auf Mittelmeer und Atlantik unterwegs – hatten sich für den Grand-Prix-Stop in Deutschland ein spannendes Stelldichein im Ostseebad Kühlungsborn gegeben. An vier Tagen wollten sie 8 Rennen segeln – die Wetterverhältnisse machten daraus 6 Rennen an drei Tagen unter anspruchsvollen Bedingungen mit Wind bis zu 30 Knoten, kurzer, steiler Welle und ziemlich viel Strom.

Stürmische Winde im Vorfeld der Regatta hatten die See aufgewühlt und so kämpften die Drachensegler am ersten Renntag gleichzeitig mit Kabbelwasser wie auch mit noch langen Wellen vom windigen Vortag. Nach zwei Rennen bei 18 bis 24 Knoten setzte sich zunächst Peter Gilmour als Tagessieger durch. Den geschunden Knochen und Schwielen wurde am zweiten Tag eine Zwangspause verpasst, da der Wind wieder auf stürmische 26 Knoten und mehr anstieg, so dass die Drachen erst am dritten Tag und da dann auch erst spät aufs Wasser gingen. Der Niederländer Peter Hereema fand im dritten Rennen Zugang zum Revier und überzeugte bis zum Ende des Grand Prix mit insgesamt drei Laufersten. Die deutschen Drachensegler dominierten das Feld zwar nicht an der allervordersten Front, dafür umso stärker im ersten Drittel. 

Vor allem Otto Pohlmann mit dem polnischen Olympia-Gold Segler Mateusz Kuscnierewicz und dem südafrikanische Star Segler und Volvo Ocean Veteran Charles Nanking in der Crew sowie der amtierende deutsche Meister Stephan Link mit den deutschen Segelgrößen Frank Butzmann und Michi Lipp und Marcus Brennecke mit dem Olympiagewinner (1 x Gold, 2 x Bronze) Freddy Lööf und dem deutschen Olympia-Silber-Gewinner Ingo Borkwoski an Bord fuhren immer wieder unter die ersten 5. Auch Nicola Friesen mit ihrer Crew Vincent Hoesch und Fritjof Kleen sowie Tobias Brinkmann segelten gut mit – Brinkmann konnte dann aber nach einem ziemlich heftigen Crash und entsprechend großem Loch im Schiff nicht mehr weiter antreten.  

Der Crash am Luvfass in der vierten Wettfahrt war ein ziemlich spektakulärer, an dem schlussendlich vier Boote involviert waren. Bemerkenswert vor allem deswegen, weil er zeigt, wie schnell auch bei relativ kleinen Booten mit sehr guten Mannschaften, großer Schreck und Unglück passieren kann.

Inmitten von heftigen Wellen, ziemlich viel Wind und entsprechend schwierigen Verhältnissen kam es Ende der zweiten Kreuz an der Luvmarke auf einem Boot zu Fehleinschätzungen und Kommuniktionsmissverständnissen und aus deren Folge zu einem heftigen Crash. Durch den Aufprall bekam eines der Boote nicht nur ein riesiges Loch, sondern auch so einen Spin, dass es dem nächsten von Lee mit dem Bug ins Cockpit schoss und sich die auf der hohen Kante sitzen Crew nur mit beherztem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen konnte. Der Skipper landete dabei im Wasser, konnte sich aber an der Großschot festhalten, wodurch aber der führerlose Drachen wendete und dem nächsten Drachen das Wegerecht nahm… »Rückblickend, eine der gefährlichsten Situationen, die ich in meinem Drachenleben erlebt habe« beschreibt, der bei dem Zusammenstoß über Bord gegangene Dirk Oldenburg den Unfall.  »Ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig es ist, ganz klar die Rollen an Bord zu verteilen und für unzweideutige Kommunikation zu sorgen.«

Gut verteilt sind die Rollen scheint’s durchweg bei Philip Dohse, der mit seiner Crew Nicola Dohse, Volker Kramer und Christian Möller als insgesamt 11. der Erste in der Corinthian Wertung wurde. Mit einem 5. und 6. Platz, zeigte die Mannschaft, wie sensationell gut sie segeln und dass sie sehr wohl auch bei den Profis mitspielen können. Zweiter in der Corinthian Wertung wurde das schwedische Team um Martin Pälsson und der Schwede Karl-Gustaf Löhr mit Crew dritter.  

Der Grand Prix Deutschland war die dritte und vorletzte Regatta des neugeschaffenen »Europacups der Drachen«, einer Rennserie, bei der sich die Teilnehmer über insgesamt vier Grandprix-Rennen für das Finale qualifizieren. Um im November in Palma beim großen Finale der besten 20 dabei sein zu können müssen die Teilnehmer insgesamt drei der vier Grandprix-Rennen gesegelt sein. Das Finale wird dann ähnlich der Star Sailors League in einer Art KO-System ausgesegelt werden, ein System, das vor allem Spannung und 1-zu-1-Entscheidungen in den Segelsport bringt.


Für die deutsche Klassvereinigung der Drachensegler war der Tourstopp in Kühlungsborn eine Art Probe für die Weltmeisterschaft, die die Klasse in zwei Jahren hier austragen wird.  
„Der Dragon Grand Prix 2019 in Kühlungsborn bot den 40 Teilnehmern aus 11 Nationen bis zum Schluss spannende und anspruchsvolle Wettfahrten. In insgesamt 6 Races sorgten Wind, Welle, Strömung und ein hochkarätiges Teilnehmerfeld für Drachensegeln auf allerhöchstem Niveau. Kühlungsborn ist ein traumhaftes Segelrevier mit häufig konstanten Windverhältnissen sowohl bei West wie auch bei Ostströmungen – ein perfekter Austragungsort für die WM und eine geniale Möglichkeit dort den Drachensegelsport auf weltweiter Ebenen zu präsentieren.“, resümiert Helmut Kraus, Kommunikationsvorstand des deutschen Drachengeschwaders.

Drachenreporterin: Sina Entzminger Wolf
Bilder: ©Lippmann Fotografie