65 Drachen starten in die Deutsche Meisterschaft bei BYC
Tricky Westwind zum Auftakt: Dirk Neukirchen gewinnt den ersten Lauf vor Andreas Hermann und Christian Knoll.
© Sina Wolf & privat
Starnberg. 1. Oktober 2026. 65 Drachen, 196 Seglerinnen und Segler und reichlich Meisterschaftserfahrung: Die Internationale Deutsche Meisterschaft ist auf dem Starnberger See beim Bayerischen Yacht Club gestartet. Bei fünf bis acht Knoten Westwind gewinnt Dirk Neukirchen den ersten Lauf vor Andreas Hermann und Christian Knoll.
65 Drachen, 196 Seglerinnen und Segler und reichlich Meisterschaftserfahrung: Die Internationale Deutsche Meisterschaft ist auf dem Starnberger See gestartet. Sonne, Badewetter – und zunächst die Frage, ob der Wind überhaupt für eine Wettfahrt reichen würde. Er reichte. Nach zunächst südlichem Wind setzte sich Westwind mit fünf bis acht Knoten durch. Drehend und löchrig forderte er die Crews gleich zum Auftakt.
Wer am Starnberger See Deutscher Meister werden will, muss – wie eigentlich immer – an ziemlich viel Drachen-Erfahrung vorbei. Titelverteidiger Christoph Toepfer ist am Start, ebenso die früheren Deutschen Meister Philipp Ocker und Stephan Link. Jan Woortman stand von 2022 bis 2024 dreimal in Folge auf dem IDM-Podium, Andreas Hermann gehört seit vielen Jahren zum Favoritenkreis der Drachen-Szene am Bodensee. Auch der Deutsche Meister von 2022, Ingo Ehrlicher, ist dabei – diesmal in einer besonderen Konstellation: Er segelt erstmals gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Anton und Joseph eine IDM.
In diese etablierte Spitze hat sich in den vergangenen Jahren Dirk Neukirchen gesegelt. 2025 fehlte ihm mit Lars Hendriksen und George Leonchuk gerade einmal ein Punkt zum deutschen Meistertitel. Am Starnberger See setzte das Trio nun mit dem Sieg im ersten Lauf das erste sportliche Zeichen.
Nach der Eröffnung am Vormittag ging es zügig auf die Boote. Auf dem See zeichnete sich der Westwind bereits ab, die Wettfahrtleitung lief aus, die Drachen folgten. Etwas südlich des Bayerischen Yacht-Clubs legte die Wettfahrtleitung um Kai Schreiber mit Smart Marks die Bahn.
Konstanter wurde der Wind zwar, konstant war er deshalb noch lange nicht. Er pendelte, kam mal weiter von links, mal weiter von rechts, nahm zu und wieder ab. Einen ersten Startversuch musste die Wettfahrtleitung abbrechen. Die Bahn wurde angepasst, der zweite Versuch gelang.
Den besten Start in die Wettfahrt erwischte Tanja Jacobsohn. Mit Bernhard Jacobsohn und Florian Spalteholz führte sie GER 1256 an der ersten Luvtonne und verteidigte die Spitze auch auf dem ersten Downwind. Dahinter folgten Dirk Neukirchen mit GER 1171 und Christoph Toepfer mit GER 11. Auf der zweiten Kreuz sortierte sich das Feld neu. Neukirchen übernahm die Führung vor Andreas Hermann und Christian Knoll. Jan Woortman folgte auf Rang vier, Christoph Toepfer auf fünf.
Wie klein bei diesem Wind der Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren sein konnte, zeigte sich bei Stephan Link und Ingo Ehrlicher. Beide starteten am Pin-End. Link erwischte noch ein Windfenster, das ihn gut Richtung Luvtonne brachte. Ehrlicher geriet dagegen in ein Flautenloch und blieb nahezu stehen.
An der Spitze ließ sich Neukirchen die Führung nicht mehr nehmen. Gemeinsam mit Lars Hendriksen und George Leonchuk gewann er nach rund 40 Minuten die erste Wettfahrt. Andreas Hermann, Florian Ramsperger und Thomas Wenk wurden Zweite, Christian Knoll, Christian Oehler und Niki Helten Dritte. Jan Woortman, Caspar Dohse und Marcel Vockel folgten auf Rang vier, Titelverteidiger Christoph Toepfer mit Markus Koy und Michael Koch auf fünf.
Neukirchen freute sich über den gelungenen Start in die Meisterschaft. Gleichzeitig wusste er den ersten Sieg einzuordnen: Bei 65 Booten beginnt die echte Herausforderung erst jetzt – die Position über die kommenden Rennen zu halten.
Auch Tanja Jacobsohn nahm aus dem ersten Tag vor allem den starken Beginn mit. Mit ihrem Team bei dieser IDM als Erste um die Luvtonne zu gehen, ist einfach ein gutes Gefühl.
Für eine zweite Wettfahrt reichte der Wind nicht mehr. Das Feld hatte sich weit auseinandergezogen, und bis die letzten Drachen das Ziel erreicht hatten, ließ der Westwind bereits nach. Die Wettfahrtleitung wartete noch auf eine weitere Chance. Der Wind kam jedoch nicht rechtzeitig zurück. Mit AP über A ging es für die Flotte zurück zum Bayerischen Yacht-Club.
Vom Hacker-Zelt auf den Starnberger See
Dabei hatte diese IDM eigentlich schon am Vorabend begonnen. Rund 160 Drachensegler waren gemeinsam nach München auf die Wiesn gefahren. Im Hacker-Festzelt traf sich ein großer Teil des Feldes abseits von Startlinie und Regattabahn – ein besonderer gemeinsamer Auftakt für die Meisterschaft.
Viel Zeit zum Ausschlafen blieb nicht. Am Donnerstagvormittag eröffnete Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann die Meisterschaft mit einer ungewöhnlich enthusiastischen Rede über den Sport. Er sprach über Sportler als Vorbilder und über den gesellschaftlichen Wert von Leistung und Engagement. Auch die Münchner Olympiabewerbung war Thema. So viel politischer Rückenwind für den Sport sorgte anschließend jedenfalls für Gesprächsstoff unter den Seglern.
Und der Bayerische Yacht-Club setzte den bayerischen Rahmen am Nachmittag fort. Als die 65 Drachen nach der Wettfahrt zurückkehrten, spielte am Steg die Blasmusik. Auf der Wiese vor dem Casino begrüßten Goaßlschnalzer die Crews. Danach wurden die Boote festgemacht und aufgeräumt.
Bratwurst, Bier und der Blick über den Starnberger See. Nach Wiesn, Westwind und der ersten Wettfahrt ist die Drachen-IDM endgültig in Fahrt gekommen..
Zwischenstand nach 1 Wettfahrt
Text: ©Sina Wolf
