Hamburg, NRV, Sturmtief Joshua: Während draußen die DJSL-Junioren bei Sturm und Regen um jeden Meter kämpften, stellten 40 nationale Delegierte beim AGM die Weichen für die kommenden Jahre. Nach kontroversen Diskussionen: GPS-Geräte und Start-Management-Systeme finden Einzug in die Klassenregeln. Bram Van Olphen (Hongkong) löst Gérald Blanc als IDA Chairman ab, Christian Zinkler folgt Gregor Berz als Vice-Chairman. Marstrand erhält den Zuschlag für die Jubiläumsregatta 2029. Gold Cup 2028: Cascais. EM 2028: Thun. Die Klasse modernisiert sich – ohne ihre DNA zu verlieren.
Alle Details, wer, wie, wo und warum im Bericht von Olli Mose:
Mit einem kleinen Abendessen am Freitagabend im Restaurant „Berliner Bahnhof“ wurde in lockerer Atmosphäre die eine oder andere Weiche vorgedacht. Neben den Vertretern aus dem Vorstand des DGG, Dr. Dirk Pramann, Christian Zinkler und Oliver Mose waren auch der scheidende IDA Vize Chairman Gregor Berz und Michael Koch, Crew des diesjährigen Gold Cup Gewinners, im regen Austausch mit den nationalen Vertretern der Drachenklasse weltweit.
Am Sonnabend begrüßte nicht nur der Sturmausläufer des Tiefs „Joshua“, sondern auch mit sehr herzlichen Worten der stellvertretende Vorsitzende und Drachensegler, Dr. Tobias Brinkmann vom Norddeutschen Regatta Verein die 40 angereisten nationalen Repräsentanten der Drachenklasse.
Während draußen Sturm und Regen im Wechsel mit etwas Sonne den Teilnehmer des Pokales der Deutsche Junioren Segel-Liga (DJSL) viel abverlangte, wurde im großen Saal des NRV intensiv gearbeitet. Auf der Agenda standen unter anderem routinemäßig die Berichte des Chairman, Treasurer und des Technical Committee, Änderungen der Klassenregeln, die Vergabe der kommenden Regattaveranstaltungen und die Neuwahlen des zur Besetzung des kommenden IDA-Vorstandes.
Neben notwendigen Anpassungen der Klassenregeln im Rahmen der Neuauflage der Racing Rules of Sailing (RRS) by World Sailing wurden zwei schon sehr lange und über mehrere Jahre hinweg, teils kontrovers, diskutierte Änderungen verabschiedet. Der Einsatz von sogenannten Start-Management-Systemen bei hochrangigen Regatten, wie Grade 1, Europa- und Weltmeisterschaften, und die Nutzung von satellitengestützten Geräten – Uhren, Regattakompass – finden Einzug in die Klassenregeln. Ein Antrag zur Aufhebung des Crewgewichtslimit während des Gold Cup hingegen wurde mehrheitlich abgelehnt. Voraussetzung für das Inkrafttreten dieser Regelungen ist die finale Zustimmung durch World Sailing.
Nach einer überzeugenden Präsentation wurde Marstrand / Schweden als Austragungsort der Jubiläumsregatta 100 Jahre Drachen 2029 mit großer Mehrheit gewählt. Auch die zwei weiteren Bewerber, Douarnenz / Frankreich und San Remo / Italien, konnte eindrucksvoll präsentieren und zeigten spontan ihr Bereitschaft für einen Gold Cup oder die ebenfalls 2029 stattfindende Weltmeisterschaft an. Des Weiteren fiel die Entscheidung, die Europameisterschaft 2028 nach Thun / Schweiz und der Gold Cup 2028 in Cascais / Portugal zu vergeben. Ob bei der Vergabe des Gold Cup auch das Wetter in Hamburg während der Sitzung einen Anteil am Abstimmverhalten der Delegierten hatte? Denkbar wäre es.
Die Präsentationen der bereits vergebenen Regatten beineindruckten ebenso. Sowohl die Weltmeisterschaft 2027 in Hongkong, die mit über 80 Interessenten alle vorhergesagten Erwartungen übertrifft, als auch die Europameisterschaft 2026 in Helsinki / Finnland versprechen außergewöhnliche Events zu werden.

Nach zwei Amtszeiten von Gérald Blanc wurde der in Hongkong lebende Bram Van Olphen zum neuen IDA-Chairman gewählt. Ebenso schied turnusmäßig nach zwei Amtszeiten Gregor Bertz als Vice-Chairman aus dem IDA Board. Ihm folgt der Schatzmeister des Deutschen Drachengeschwader, Christian Zinkler als Vice-Chairman in das IDA-Board. Martin Lutz aus Österreich wurde für weitere zwei Jahre in seinem Amt bestätigt.
Sowohl den scheidenden Chairman Gérald Blanc wie auch dem Vice-Chairman Gregor Berz wurden von dem neu gewähltem Chairman mit der Überreichung von Erinnerungspokalen gedankt. Rückblickend waren es nicht immer einfache Themen und Entscheidungen für das IDA Board. Die Anwesenden danken mit einem anhaltenden Applaus.
Im Anschluss an die Sitzung fanden sich alle im Barbereich ein. Dem ein oder anderem Drachensegler war eine gewissen Hochachtung gegenüber den Junioren Crews, die sich ebenfalls in dem Bereich für ihren nächsten Flight im Pokal Finale aufwärmten, nicht abzusprechen. Nahezu nahtlos ging es zum Abschluss in ein großes Abendessen über. Die Küche der NRV Ökonomie hatte mit einem 3-Gänge Menü wieder einen runden, schönen Abend zum Anschluss des diesjährigen AGM geschickt. Alle Anwesenden dankten auch sehr dem Serviceteam für die ganztätige äußerst aufmerksame Betreuung mit einer gefüllten „Mütze“ in Form eines Sektkühlers. Der Abend endete mit einem bleibenden Eindruck und dem durchgängigen Fazit nach diesem Zusammentreffen:
Der Drachen war, ist und bleibt eine der faszinierendsten und attraktivsten Regattaklassen weltweit.
